Fake Noise — True Image
Portmanteau und Verbündete · Pasinger Fabrik, München
8. Oktober 2026 – 14. März 2027

Sonderbare Musikmaschinen
Hier stimmt etwas nicht, und das ist Absicht. In der Pasinger Fabrik stehen sonderbare Musikmaschinen. Wer eine Münze einwirft, bringt einen Kinderstuhl zum Steppen, startet eine Herde Bergziegen oder lässt sich vom Grobian beleidigen, kostenlos und individuell. Ein Heizungskessel wird zum Kaleidoskop, angetrieben von einem Hometrainer, auf dem man selbst in die Pedale tritt. Kinder begreifen das sofort. Erwachsene auch, sie wundern sich nur ein bisschen länger.
Ende Dezember kommt ein Werk dazu, das eigens für diesen Ort entsteht: eine Klangmaschine aus Handkurbel-Brotschneidemaschinen. Wo heute die Pasinger Fabrik steht, war einst das Stammhaus der Ritterwerke, in dem von 1912 bis 1982 Haushaltsgeräte gebaut wurden, darunter der Ritter-Allesschneider. Eröffnung mit eigenem Termin.
In der Ausstellung: Alpinium · Alpinoptikum · Christopher · Disassemble Ensemble · Grobian · Kopfsalat · Liquids · Nautilus · Odem · Singvase · Sittichquirl · Strippenzieher
Portmanteau und Verbündete
Fünf künstlerische Positionen treffen hier in der Pasinger Fabrik aufeinander. Portmanteau, Dessecker, Haas, Scheck und Mayr. Sie alle stellen inhaltlich dieselbe Frage: Was ist hier eigentlich echt — und spielt das überhaupt noch eine Rolle?
Keiner von ihnen behauptet, die Antwort zu kennen. Stattdessen verschieben die Künstler den Blick, bis das Vertraute zu kippen beginnt.
Oben oder unten? Echt oder unecht? Bild oder Behauptung. Der Besucher sieht nur, was in seinem Erfahrungshorizont liegt. Die Wahrheit, so viel sei verraten, liegt im Auge des Betrachters. Weltbilder entstehen erst in ihrem Kopf.
Was die fünf Künstler dieser Ausstellung verbindet, ist keine gemeinsame Technik, sondern eine Haltung — und ein langer gemeinsamer Weg.
Das sind Portmanteau, das Münchner Duo aus Greulix Schrank und Taison Heiß, von der Süddeutschen Zeitung „die Tinguelys des Theaters“ genannt. Ihre Klangmaschinen behaupten, eine Herde Bergziegen zu sein, sie lassen einen Vogelschwarm aus Kuchengabeln zwitschern oder simulieren Südsee-Idyll. Wer eine Münze einwirft, für den wird gebetet, geatmet oder gesteppt — moderner Ablasshandel, sichtbar gemacht, humorvoll und doppelbödig.
Martin Dessecker thematisiert in seinen Arbeiten Wahrnehmung als offenen, instabilen Prozess. Er setzt dort an, wo Gewissheiten zu kippen beginnen und das vermeintlich Normale fragwürdig wird. Nicht nur als Provokation, sondern auch als Verschiebung – als Einladung, genauer hinzusehen. In seinen Transparenzen fallen Wirklichkeit und Spiegelung zu einem einzigen Bild zusammen, in dem der Betrachter selbst zum Bildelement wird.
Willi Haas versammelt in Unklare Lage Fotografien von Spiegelungen – in Pfützen, Seen oder Fensterscheiben – bei denen auf den ersten Blick nicht erkennbar wird, wo oben und unten ist. Dabei richtet sie ihre Kamera auf kuriose Details, die sich im gewohnten Gesamtbild verbergen und macht so sichtbar, was auf den ersten Blick übersehen würde.
Leonhard Scheck, gelernter Astrophysiker, zerlegt Raum und Zeit in einzelne Pixel und setzt daraus ein Bild zusammen, das so nie existiert hat. Ungewöhnliche Schnitte durch die Raumzeit vereinigt den Tagesablauf, festgehalten durch unzählige Fotos einer Wolkenkamera, in einem einzigen Bild. Alles an diesen Bildern ist echt, wissenschaftlich korrekt und trotzdem hat diesen Himmel so nie jemand gesehen.
Und Peter Mayr. Der Zeichner, Grafiker, Maler, Drucker und Installationskünstler vervielfältigt, substituiert, druckt. Das Bild als Abzug. Als Phantom seines Originals. Er schreddert Geld, produziert Maßkrüge aus Schaumstoff für die verletzungsfreie Bierzeltschlägerei und belässt den Betrachter seiner Werke im Zustand der völligen Ungewissheit.
Besuch
P.ART Galerie in der Pasinger Fabrik · August-Exter-Str. 1 · 81245 München
Di–Sa 15–19 Uhr · So 14–18 Uhr · Eintritt 8 € / 5 €
Geschlossen 23. Dezember 2026 – 1. Januar 2027
Rahmenprogramm mit Konzerten und Workshops: pasinger-fabrik.de
Geeignet für Spielkinder von 0–99.
